Future Tech Fest: Wenn Innovation auf Industrie trifft

Was passiert, wenn Start-ups auf Mittelstand, Industrie, Investoren und öffentliche Akteure treffen? Beim Future Tech Fest Mitte September auf dem Areal Böhler in Meerbusch war genau das zu erleben.
Die Veranstaltung brachte Menschen zusammen, die an ganz unterschiedlichen Stellen an der Zukunft von Wirtschaft und Technologie arbeiten. Es ging um künstliche Intelligenz, GreenTech, Digitalisierung, DefenseTech, Energie und neue Geschäftsmodelle – vor allem aber um die Frage, wie aus innovativen Ideen konkrete Anwendungen und neue Partnerschaften werden können.
Schon bei der Eröffnung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Region, Wirtschaft und Stadt wurde deutlich, welchen Stellenwert das Festival mittlerweile für das Innovationsökosystem im Rheinland hat. Mit dabei war auch Landrätin Katharina Reinhold für den Rhein-Kreis Neuss.

Technologie allein reicht nicht

Viele Start-ups entwickeln Lösungen mit großem Potenzial. Für den nächsten Schritt brauchen sie jedoch häufig mehr als Kapital oder Aufmerksamkeit: konkrete Anwendungsfälle, technisches Know-how, Kontakte zu Unternehmen und Zugang zu Märkten.
Auf der anderen Seite stehen etablierte Unternehmen vor ganz eigenen Herausforderungen. Sie müssen Produktionsprozesse weiterentwickeln, Ressourcen effizienter einsetzen, neue Technologien integrieren oder neue Geschäftsmodelle erschließen.
Genau an dieser Schnittstelle setzt das Future Tech Fest an. Die Veranstaltung schafft Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammentreffen und aus einem ersten Gespräch die Idee für ein gemeinsames Projekt entstehen kann.

Wenn über Transformation nicht nur gesprochen wird

Wie komplex solche Prozesse sind, wurde auch in den zahlreichen Panel Talks des Festivals deutlich. Dort ging es nicht nur um einzelne Technologien, sondern um die Frage, wie Unternehmen mit tiefgreifenden Veränderungen umgehen können.
Ein Beispiel dafür lieferte die Diskussion „Zeitenwende in der Industrie – Open Innovation und Transformation im Rhein-Kreis Neuss am Beispiel von DefenseTechInkubator.NRW und CURRENTA“. An diesem Beispiel wurde darüber gesprochen, wie ein großer Industriestandort und ein spezialisiertes Start-up-Ökosystem zusammenwirken können.
Dabei trafen zwei unterschiedliche Dynamiken aufeinander: Industrielle Transformation ist häufig langfristig angelegt, kapitalintensiv und von komplexen Rahmenbedingungen geprägt. Gleichzeitig verändern geopolitische Entwicklungen und neue technologische Möglichkeiten den Handlungsdruck und das Innovationstempo.
Open Innovation bedeutet deshalb mehr als den Austausch von Ideen. Es geht darum, unterschiedliche Anforderungen, Kompetenzen und Geschwindigkeiten miteinander zu verbinden – und daraus Lösungen zu entwickeln, die auch in der Praxis funktionieren.

Der Niederrhein als Innovationsstandort

Dass solche Verbindungen am Niederrhein auf fruchtbaren Boden treffen, liegt auch an der Struktur der Region. Hier kommen eine starke industrielle Basis, mittelständische Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und eine wachsende Start-up-Szene zusammen.
Beim Future Tech Fest wurde dieses Netzwerk sichtbar. Zahlreiche Akteure aus der Region nutzten die Veranstaltung, um neue Technologien kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und eigene Fragestellungen einzubringen.
Auch die Wirtschaftsförderung impuls.RheinKreisNeuss war vor Ort und setzte gemeinsam mit Partnern wie RWE Power und dem DefenseTech-Inkubator.NRW auf den direkten Austausch zwischen Start-ups und Unternehmen. Damit wurde ein Ansatz sichtbar, der für die Region zunehmend an Bedeutung gewinnt: Innovation nicht nur fördern, sondern gezielt mit konkreten industriellen Herausforderungen verbinden.
Der DefenseTech-Inkubator.NRW, der seinen Sitz im impuls.werk auf dem Areal Böhler in Meerbusch hat, ist dafür ein Beispiel. Im Fokus stehen unter anderem künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Sensorik und Robotik – Technologien, die für Unternehmen ebenso relevant sind wie für neue Anwendungen im Bereich Sicherheit und kritische Infrastrukturen.

Start-ups und Industrie brauchen einander

Gerade für den industriell geprägten Niederrhein liegt darin eine besondere Chance. Die Region verfügt über Unternehmen mit komplexen technischen Anforderungen und gleichzeitig über junge Unternehmen, die neue Lösungen entwickeln.
Wo diese beiden Seiten zusammenkommen, können aus Technologien konkrete Anwendungen entstehen, etwa für Energieversorgung, Produktion, Nachhaltigkeit oder den Schutz kritischer Infrastrukturen.
Veranstaltungen wie das Future Tech Fest schaffen dafür die notwendige Sichtbarkeit. Noch wichtiger sind jedoch die Kontakte, die darüber hinaus bestehen bleiben und weiterentwickelt werden.

5,2 Millionen Euro für den nächsten Schritt

Dass die Bedeutung des Themas weit über einen einzelnen Veranstaltungstag hinausgeht, zeigte auch eine weitere Nachricht vom Future Tech Fest: Das Land Nordrhein-Westfalen stellt rund 5,2 Millionen Euro für das Projekt „BeyondCarbon – Internationale Gründungsmesse“ bereit.
Damit soll das Future Tech Fest ab 2027 zu einer jährlich stattfindenden internationalen Leitmesse für GreenTech-Innovationen weiterentwickelt werden. Start-ups sollen dort noch gezielter mit Industrie und Mittelstand zusammenkommen, ihre Technologien in die Anwendung bringen und internationale Märkte erschließen.
Für den Niederrhein und das Rheinische Revier ist das ein spannender Entwicklungsschritt. Denn GreenTech-Innovationen können nicht nur Ressourcen sparen und Produktionsprozesse effizienter machen. Sie können auch neue Geschäftsmodelle schaffen und neue Wertschöpfung in der Region ermöglichen.

Was vom Future Tech Fest bleibt

Der eigentliche Wert eines solchen Festivals lässt sich deshalb nicht allein an Messeständen, Pitches oder Bühnenprogrammen messen. Entscheidend ist, was danach passiert.
Vielleicht wird aus einem Gespräch ein Pilotprojekt. Aus einer Technologie eine konkrete industrielle Anwendung. Aus einem ersten Kontakt eine langfristige Kooperation.
Das Future Tech Fest hat dafür die richtigen Menschen an einen Ort gebracht. Und es hat gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Start-ups, Mittelstand, Industrie, Wissenschaft und öffentliche Akteure nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten.
Eine starke Ausgangslage für die nächsten Schritte am Niederrhein. Einfach stark!

Autorin: Anna Möskes


Foto: Rhein-Kreis Neuss
Foto: Rhein-Kreis Neuss