Ideenfutter Expo: Neue Ideen für eine widerstandsfähige Ernährungswirtschaft
Wie bleibt die Land- und Ernährungswirtschaft handlungsfähig, wenn Lieferketten unter Druck geraten, Rohstoffpreise steigen oder Extremwetter die Produktion erschwert? Mit solchen Fragen beschäftigte sich die Ideenfutter Expo. Anfang Oktober kamen im Gare du Neuss zum achten Mal Start-ups, etablierte Unternehmen, Landwirtschaft, Wissenschaft und weitere Akteure zusammen. 40 Ausstellende präsentierten Lösungen entlang der gesamten AgriFood-Wertschöpfungskette. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr das Thema Resilienz, also die Fähigkeit, auf Veränderungen und Krisen zu reagieren und sich an neue Bedingungen anzupassen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Begrüßung von Bijan Djir-Sarai, Kreisdezernent des Rhein-Kreises Neuss. Die Ideenfutter Expo wird vom Foodhub NRW e.V. organisiert und bringt Akteure zusammen, die neue Ansätze für die Zukunft von Ernährung, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion entwickeln.
Resilienz beginnt entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Die Herausforderungen der Ernährungswirtschaft lassen sich nicht isoliert betrachten. Was auf dem Acker beginnt, setzt sich in der Verarbeitung, der Logistik und im Handel fort. Steigende Kosten, knappe Ressourcen, Klimaveränderungen und der Fachkräftemangel betreffen unterschiedliche Bereiche der Branche und erfordern entsprechend vielfältige Lösungsansätze.
Wie diese aussehen können, wurde in den Ausstellungen und Diskussionen der Expo deutlich. Die Branchentalks widmeten sich unter anderem Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln und Düngern, dem Einsatz humanoider Roboter in der Lebensmittelproduktion sowie neuen Ansätzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Dabei ging es nicht allein um technologische Möglichkeiten, sondern auch um deren praktische Umsetzbarkeit und die Frage, welchen Nutzen sie für Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe haben.
Wenn aus Herausforderungen neue Ideen werden
Ein besonderes Merkmal der Ideenfutter Expo ist der direkte Austausch zwischen Akteuren, die im Arbeitsalltag nicht unbedingt miteinander ins Gespräch kommen. Start-ups treffen auf etablierte Unternehmen, Forschung trifft auf Praxis und neue Geschäftsmodelle treffen auf konkrete Herausforderungen aus der Branche.
Das zeigt sich auch in den unterschiedlichen Veranstaltungsformaten. Bei den Branchentalks diskutieren die Teilnehmenden gemeinsam über aktuelle Fragestellungen. Bei sogenannten Reverse Pitches stellen Unternehmen ihre Herausforderungen vor, für die sie neue Lösungsansätze suchen. Damit verschiebt sich der Blick: Nicht nur Start-ups präsentieren ihre Ideen, sondern auch etablierte Unternehmen machen sichtbar, wo sie nach Innovationen und neuen Partnern suchen.
Solche Begegnungen können ein Ausgangspunkt für Kooperationen sein. Ob daraus ein gemeinsames Projekt oder eine neue Anwendung entsteht, entscheidet sich meist erst im Anschluss an die Veranstaltung. Die Expo schafft dafür jedoch einen wichtigen ersten Schritt: den direkten Kontakt zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven.
Einblicke in die Food-Gründungen am Niederrhein
Als Partner der Ideenfutter Expo unterstützt die impuls.RheinKreisNeuss Wirtschaftsförderung den Austausch zwischen jungen Unternehmen und etablierten Akteuren der Ernährungswirtschaft. Wie regionale Gründungsförderung dabei ansetzen kann, zeigte ein gemeinsamer Programmpunkt mit dem Titel „Wie Food-Start-ups im Rhein-Kreis Neuss wachsen: Erfolgsbeispiel Stullenwunder“.
Eva de Schrevel von der impuls.RheinKreisNeuss Wirtschaftsförderung und Corinna Kuhlen vom foodineum gaben gemeinsam mit Tobias Martin vom Start-up Stullenwunder Einblicke in die Entwicklungsmöglichkeiten für junge Unternehmen der Lebensmittelbranche.
Stullenwunder hat eine innovative Brotmischung entwickelt, die den Blutzuckerwert laut Unternehmensangaben konstant halten soll und damit besonders für Diabetiker geeignet sei. Als Teil des Förderprogramms accelerate.RKN konnte das Unternehmen seine Entwicklung weiter vorantreiben. Das Beispiel verdeutlicht, wie aus einer Produktidee ein konkretes Angebot entstehen kann und welche Rolle passende Unterstützung und Kontakte für die Weiterentwicklung eines jungen Unternehmens spielen.
Auch weitere Start-ups aus dem accelerate.RKN-Netzwerk präsentierten ihre Angebote an eigenen Ständen. Sie nutzten die Veranstaltung, um ihre Lösungen vorzustellen und mit potenziellen Kunden und Partnern ins Gespräch zu kommen.
Was von der Ideenfutter Expo bleibt
Die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft sind komplex. Neue Technologien und Geschäftsmodelle können dazu beitragen, Ressourcen effizienter einzusetzen, Produktionsprozesse weiterzuentwickeln und Unternehmen widerstandsfähiger aufzustellen. Damit solche Lösungen ihren Weg in die Praxis finden, braucht es neben guten Ideen auch Austausch, Erprobung und verlässliche Partnerschaften.
Die Ideenfutter Expo bietet dafür einen Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und konkrete Fragestellungen diskutiert werden können. Ob daraus neue Kooperationen oder marktfähige Lösungen entstehen, zeigt sich häufig erst nach der Veranstaltung. Doch genau dort liegt die Chance: wenn aus einem Gespräch ein gemeinsamer Ansatz und aus einer Idee eine praktische Anwendung wird.
So setzt die Ideenfutter Expo Impulse für eine Land- und Ernährungswirtschaft, die sich den Herausforderungen von morgen stellt – gemeinsam, innovationsorientiert und mit Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette. Einfach stark!
Autorin: Anna Möskes

Foto: S. Büntig / Rhein-Kreis Neuss