Olympia am Niederrhein: Fünf Ringe, viele Chancen

Olympische und Paralympische Spiele am Niederrhein? Was heute noch ein wenig nach Zukunftsmusik klingt, könnte irgendwann ziemlich real werden. Am 26. September 2026 entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund, ob KölnRheinRuhr, Berlin oder München für Deutschland ins internationale Rennen geht. Beworben wird sich um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.

Für den Niederrhein wäre das mehr als ein großes Sportfest. Krefeld und Mönchengladbach sind unmittelbar Teil des Konzepts KölnRheinRuhr. Gleichzeitig könnten die Spiele weit in die Region ausstrahlen – bis in die Kreise Kleve, Viersen und Wesel sowie den Rhein-Kreis Neuss.

Olympiareif? In Teilen schon heute.

Das Bewerbungskonzept setzt stark auf vorhandene Sportstätten. Genau hier kann der Niederrhein punkten. In Krefeld soll die YAYLA ARENA olympische und paralympische Wettkampfstätte werden. Vorgesehen sind Taekwondo und Rollstuhlrugby. Mönchengladbach soll die Hockeyturniere ausrichten. Mit dem HockeyPark verfügt die Stadt über einen international erfahrenen Standort und war bereits Gastgeber großer Hockeyturniere.
Dass Großveranstaltungen hier funktionieren, ist also keine ganz neue Erkenntnis. Fußball, Hockey, Eishockey, Handball, Radsport oder internationale Wettbewerbe gehören an vielen Orten längst zum Sportalltag der Region. Dahinter steht außerdem eine breite Vereinslandschaft mit rund 1.800 Sportvereinen in den sechs Städten und Kreisen. Vom Nachwuchstraining bis zum Spitzensport bildet sie ein Fundament, das bei einem solchen Großereignis mindestens genauso wichtig wäre wie volle Tribünen.

Und der Rest des Niederrheins?

Olympia endet nicht am Eingang zur Wettkampfstätte. Gäste brauchen Hotels und Restaurants, Verkehrsverbindungen, Freizeitangebote und Orte zum Durchatmen. Unternehmen übernehmen Dienstleistungen, Logistik oder Veranstaltungstechnik. Sportvereine können Trainingsmöglichkeiten bieten, Kommunen könnten als Gastgeber für Mannschaften oder Begleitprogramme interessant werden. Genau darin liegen Chancen für den Kreis Kleve, den Kreis Viersen, den Kreis Wesel und den Rhein-Kreis Neuss – auch wenn dort nach heutigem Konzept keine olympischen Wettkämpfe vorgesehen sind. Die Kommunen sehen beispielsweise Chancen für Tourismus, Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie Impulse für Infrastruktur und Innovation. Die Lage des gesamten Niederrheins spielt dabei mit: mitten zwischen Rheinland, Ruhrgebiet und den Niederlanden, gut erreichbar und mit viel Freizeitwert abseits der großen Arenen.

Was könnte Olympia wirtschaftlich bringen?

Bei der IHK Mittlerer Niederrhein ist die Erwartung in Teilen der Wirtschaft groß. In einer Befragung von rund 700 Unternehmen erwarteten mehr als 80 Prozent positive Effekte für die Region oder den eigenen Betrieb. Genannt wurden insbesondere Bauwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel. Bei einer IHK-Veranstaltung wurde außerdem ein möglicher wirtschaftlicher Impuls für Rhein und Ruhr in Milliardenhöhe diskutiert. Solche Prognosen hängen allerdings stark davon ab, wie die Spiele am Ende geplant, finanziert und umgesetzt werden. Spannend ist deshalb der Ansatz des aktuellen Konzepts: möglichst vorhandene oder temporäre Sportstätten nutzen, Wege kurz halten und Investitionen so planen, dass sie auch nach den Spielen einen Nutzen haben. Die Bewerbung KölnRheinRuhr wirbt genau mit diesem Nachhaltigkeitsgedanken.Olympia könnte damit für den Niederrhein weit mehr hinterlassen als Erinnerungen an Medaillen und ausverkaufte Arenen. Internationale Aufmerksamkeit, Investitionen, modernisierte Sportangebote und neue Impulse für Tourismus und Wirtschaft könnten die Region langfristig sichtbarer machen – auch für Fachkräfte, die einen neuen Lebensmittelpunkt suchen.

Ob es so weit kommt, ist noch völlig offen. Der nächste große Termin steht aber schon fest: Am 26. September entscheidet sich, ob KölnRheinRuhr die deutsche Bewerbung anführen darf. Zwei olympische Austragungsorte und eine „Fünf-Sterne-Region“ hätte der Niederrhein jedenfalls schon im Sportgepäck. Jetzt fehlen nur noch Fünf Ringe für den Neiderrhein? Das hätte was. Einfach stark!

Autor: Axel Tillmanns


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